Kommunalwahlprogramm 2026

Alle Infos zur Kommunalwahl 2026 →

Präambel

Die Linke Fulda steht für eine soziale, antifaschistische und antirassistische Kommunalpolitik. Wir stellen das gute Leben im Alltag der Menschen in den Mittelpunkt – mit starker öffentlicher Daseinsvorsorge, demokratischer Teilhabe und konsequentem Klimaschutz. Wir setzen auf die Idee der sorgenden Stadt: kümmern statt kürzen. Öffentliche Mittel gehören in Soziales, Bildung, Gesundheit und den kommunalen Klimaschutz. Militarisierung lehnen wir ab.

1. Bezahlbarer Wohnraum für alle

  • Kommunale/gemeinwohlorientierte Wohnungsstrategie: Bestand sichern, Neubau sozial ausrichten, Privatisierung kommunalen Wohnraums ausschließen.
  • Dauerhafte Mietpreisbindungen bei gefördertem Wohnraum; sozial gerechte Stadtplanung und aktive Bodenpolitik (Vorkaufsrechte, Konzeptvergaben).
  • Bezahlbares Wohnen für Studierende und Auszubildende: Wohnheime erhalten/ausbauen, kleine bezahlbare Einheiten fördern.
  • Barrierefreier und altersgerechter Wohnraum: Neubauten und Umbauten konsequent barrierefrei planen; Aufzüge, stufenlose Zugänge und wohnortnahe Unterstützungsangebote fördern; Wohnraumberatung ausbauen.
  • Indexmietverträge in Stadt und Landkreis untersagen.

2. Soziale Stadtentwicklung und wirksamer Mieterschutz

  • Verbindliche Sozialwohnungsquote bei Neubauten auf städtischen Flächen (mindestens 30 %).
  • Mieter*innen schützen: energetische Sanierungen sozial gestalten, Verdrängung verhindern (Milieuschutzgebiete).
  • Leerstand und Spekulation bekämpfen: Erfassen von Leerständen, Zweckentfremdungssatzung; Umnutzung von Leerstand erleichtern.
  • „Housing First“- Konzepte implementieren.
  • Miettransparenz stärken: nachvollziehbare Nebenkostenabrechnungen, Energieversorgung und Modernisierungsumlagen; Standards in kommunalen/öffentlich geförderten Beständen.
  • Ländlicher Raum: Baulücken schließen und Leerstände umfunktionieren; wo zusätzlicher Wohnraumbedarf besteht, flächensparende neue Bauplätze nur unter strengen Klima- und Infrastrukturkriterien (Innenentwicklung vor Außenentwicklung).
  • Kostenlose bzw. niedrigschwellige Mietrechtsberatung (kommunal/in Kooperation mit Beratungsstellen) ausbauen.

3. Bezahlbarer und zuverlässiger Nahverkehr

  • ÖPNV günstiger und perspektivisch fahrscheinlos: Einstieg mit kostenfreien Tickets für Schülerinnen, Azubis, Seniorinnen sowie Menschen mit geringem Einkommen.
  • Bus- und Bahnangebot ausbauen: dichter und verlässlicher Takt, bessere Abend-, Wochenend- und Sonntagsanbindungen; verlässliche Anschlüsse (z.B. Party-/Nachtbus).
  • Direktverbindungen stärken: Stadtteil- und Umlandverbindungen ohne unnötige Umwege über zentrale Knoten; Ringbussystem zur Entzerrung und besseren Erreichbarkeit.
  • Kapazitäten erhöhen: Entlastung überfüllter Züge/Busse durch Takt- und Fahrzeugverstärkung.
  • Barrierefreiheit und Fahrgastinformation: stufenlose Zugänge, taktile Leitsysteme, akustische Signale sowie visuelle Echtzeit-Anzeigen mit verlässlichen Informationen.
  • Rad- und Fußverkehr sicher machen: durchgängige Radwege mit besonderem Fokus auf Kreuzungen, Abbiegesituationen und Spurwechsel; sichere Querungen, Ampeloptimierung und bessere Beschilderung.
  • Tempo 30 und Verkehrsberuhigung: Einführung/konsequentere Durchsetzung von Tempo-30-Zonen und verkehrsberuhigten Bereichen; Verkehrsberuhigte Zonen zur Reduzierung des Autoverkehrs in der Innenstadt.
  • Parkraumstrategie: P+R-/Quartiersgaragen gut anbinden; Kreisverkehre bei Umbauten prüfen.

4. Öffentliche Infrastruktur und Daseinsvorsorge sichern – inklusive Digitalisierung

  • Priorität im Haushalt: Kitas, Schulen, Schwimmbäder, Sport- und Jugendangebote (z.B. Weiterentwicklung des Jugend- und Kulturzentrums L14 und des Stadtteiltreffs „Wohnzimmer“).
  • Kinder, Jugendliche & Bildung: Ausbau von Betreuungsangeboten (inkl. Krippenplätzen); bessere Ausstattung von Schulen; kostenfreie oder sehr günstige Freizeit- und Bildungsangebote; mehr Jugendtreffs – insbesondere in Ortsteilen/ländlichen Bereichen.
  • Nicht-kommerzielle Begegnungsorte stärken: Quartiers-/Stadtteilzentren, konsumfreie Aufenthaltsräume und Sitzgelegenheiten, barrierearme öffentliche Räume; bestehende Treffpunkte und Gemeinschaftsflächen revitalisieren.
  • Nachbarschaft und Gemeinschaft fördern: Unterstützung und vereinfachte Genehmigungen für Nachbarschafts- und Straßenfeste – auch außerhalb der Innenstadt.
  • Nahversorgung sichern: wohnortnahe Angebote des täglichen Bedarfs (Einkauf, Bäcker, Grundversorgung) in ländlichen Stadtteilen/Ortsteilen erhalten und ausbauen – z. B. durch Dorfläden, Wochenmärkte, mobile Angebote und Kooperationen mit regionalen Betrieben.
  • Innenstadt, Kultur und Nachtleben stärken: aktives Leerstandsmanagement und Zwischennutzungen für soziale/kulturelle Projekte; Kulturtafel/Sozialtarife und regelmäßige kostenfreie Kulturtage (z.B. Eintrittsfreier Sonntag in Museen); Runder Tisch Nachtleben mit Lärmschutz- und Nachbarschaftsanliegen; Kooperationen mit der Hochschule Fulda (Projekte, Mentoring, Bleibeperspektiven für internationale Studierende schaffen).
  • Bürger*innen frühzeitig beteiligen: verbindliche Beteiligungsformate bei Planungen öffentlicher Räume.
  • Bürgernahe Verwaltung: Personal stärken, Verfahren vereinfachen; „Open-Source-first“ (US-unabhängige Verwaltungsstrukturen), digitale Barrierefreiheit und Datensouveränität.
  • Stadtverordneten-Versammlungen sollen live übertragen werden.

5. Gesundheit und Pflege wohnortnah, gemeinwohlorientiert

  • Wohnortnahe Versorgung stärken: Gesundheitszentren/Primärversorgung in Stadtteilen und im Umland vorantreiben.
  • Erreichbarkeit ohne Auto verbessern: medizinische Versorgung über ÖPNV- und Barrierefreiheitsmaßnahmen planbar erreichbar machen (Haltestellen, Takte, Wegeketten) und digitale/aufsuchende Angebote ergänzen.
  • Pflegestrukturen ausbauen: Pflegestützpunkte, Gemeindepflege, Beratung und Entlastungsangebote stärken – gemeinsam mit gemeinnützigen Trägern.
  • Gute Arbeitsbedingungen: faire Bezahlung, mehr Personal und bessere Ausbildungsbedingungen in Pflege und Gesundheit.
  • Krankenhausversorgung in öffentliche Hand zurückführen;  Rekommunalisierung unterstützen, wo erforderlich.
  • Gesundheitsorientierte Suchthilfe ausbauen: Streetwork und niedrigschwellige Beratung; bei Bedarf Drogenkonsumraum mit tragfähigem Träger- und Sicherheitskonzept prüfen und bereitstellen.

6. Gute Arbeit und faire Bezahlung, auch in kommunalen Strukturen

  • Tariftreue und Mitbestimmung: kommunale Einrichtungen und Beteiligungen zahlen tarifgebunden; Vergaben mit Sozialstandards.
  • Gleiche Arbeit – gleicher Lohn: faire Bedingungen für Beschäftigte kommunaler Arbeitsstrukturen sicherstellen (keine Leiharbeit in kommunaler Trägerschaft).
  • Mehr Personal dort, wo es gebraucht wird: Kitas, Schulen, Jugendarbeit, Verwaltung, Pflege; Qualifizierung und Weiterbildung unterstützen.

7. Gerechte und nachhaltige Finanzen

  • Gerechte Einnahmen und Lasten: große Unternehmen stärker heranziehen, kleine Betriebe entlasten; kommunale Einnahmebasis stärken.
  • Transparenter Haushalt: verständliche Darstellung, öffentliches Investitionsmonitoring, Bürger*innenhaushalt einführen.
  • Sozial, regional, klimafreundlich einkaufen: ökologische und soziale Kriterien verbindlich für öffentliche Ausschreibungen machen; lokale Wertschöpfung stärken.
  • Kommunale Finanzierung gegenüber Land/Bund: Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt“ konsequent einfordern.
  • Mehr Geld für Frauen, Senior*innen und Jugendarbeit im Haushalt bereitstellen.

8. Gleichstellung, Vielfalt, Integration und Sicherheit

  • Istanbul-Konvention umsetzen: Frauenhäuser, Schutz- und Beratungsstellen sowie Prävention gegen Gewalt deutlich ausbauen.
  • Dafür auch mehr Mittel für das Frauenbüro der Stadt Fulda.
  • Vielfalt schützen: gezielte Förderung von Projekten für Gleichstellung, Queerness, Antirassismus und Antidiskriminierung; sichere Anlaufstellen in der Stadt.
  • Sichere öffentliche Räume: gute Beleuchtung, klare Wegeführung und präsente Sozialarbeit/Streetwork – nicht flächendeckende Überwachung; Pilot „Nightline/Nachtwege-Hotline“ für sichere Heimwege prüfen.
  • Konsequente Haltung gegen Rechtsextremismus: Prävention, Bildungsarbeit und Unterstützung der Erinnerungskultur.
  • Ein Verbot privater Pyrotechnik, vor allem zu Silvester, einführen und konsequent umsetzen. Prüfen kommunal-gestellter öffentlicher Alternativen.
  • Unterstützung des zivilen Katastrophenschutzes (z.B. THW) in Stadt und Landkreis.
  • Menschenwürdige und integrative Unterbringung von geflüchteten Menschen.
  • Abschaffung der Bezahlkarte für Geflüchtete.
  • Kein Arbeitszwang für Migrant*innen für unwürdige Kompensationen bei gleichzeitig erleichtertem Zugang zu sozialversicherungspflichtiger Arbeit.

9. Klimaschutz sozial gerecht gestalten

  • Kommunalen Klimafonds einführen: energetische Sanierungen und Klimaanpassung fördern – besonders für einkommensschwache Haushalte.
  • Solar-Offensive: kommunale Dächer und geeignete Flächen bis 2030 systematisch mit Photovoltaik ausstatten; PV auf Parkplätzen/Parkhäusern prüfen.
  • Mehr Grünflächen, weniger Hitze: Baumpflanzprogramme, Entsiegelung, Schatten- und Trinkwasserangebote, Extremwettervorsorge.
  • Bürger*innen einbeziehen: Patenschaften, Mitmach- und Pflegeprogramme für Grünflächen, Gemeinschaftsgärten und Städtisches Gärtnern; transparente Beteiligung bei Planung und Nutzung.
  • Verkehrswende und Luftqualität: Rad- und Fußverkehr stärken; Lärm- und Luftmonitoring ausbauen, Umweltzonen einführen.
    Einführung einer Baumschutzverordnung

10. Demokratie und Beteiligung stärken – plus Friedenskommunalpolitik

  • Frühzeitige Information statt nachträglicher Bekanntgabe: Entscheidungen und Varianten transparent machen, bevor Beschlüsse gefasst werden.
  • Verständliche, niedrigschwellige Kommunikation: klare Sprache und feste Kanäle (Flyer, Social Media, Newsletter/E-Mail, Sprechstunden) – auch für Ortsteile.
  • Mehr direkte Demokratie: Bürgerentscheide/Begehren erleichtern und aktiv ermöglichen; offene Informations- und Beteiligungsveranstaltungen regelmäßig durchführen.
  • Bürger*innenräte und Stadtteilforen mit echter Mitsprache; transparente Entscheidungen und nachvollziehbare Begründungen.
  • Jugendparlament und Schüler*innenräte mit verbindlichen Anhörungsrechten; Beteiligung digital und analog ermöglichen.
  • Klare Zuständigkeiten: Verantwortliche und Entscheidungsträger*innen sichtbar benennen (Kontaktstellen, Zuständigkeitsübersichten, Rückmeldefristen).
  • Vereine und Ehrenamt stärken: niedrigschwelliger Zugang zu öffentlichen Räumen, Unterstützung und Entbürokratisierung.
  • Friedenskommunalpolitik: städtische Kooperationen und Mittel an zivilen, sozialen und friedenspolitischen Leitlinien ausrichten; Priorität für Soziales, Bildung, Gesundheit und Klima.
  • Wir setzen uns gegen Aufrüstung, Militarisierung und Stützpunkte in und um unsere Stadt ein.
  • Ausbau und Aufrechterhaltung von Städtepartnerschaften.

Unser Kommunalwahlprogramm

zum Download